Persönliche Blogs wie The Story to Be leben auch von der Interaktion mit anderen Blogs. Darum habe ich mich in diesem Jahr entschlossen, am #Jahresrückblog von Judith Peters teilzunehmen. Die Blog-Aktion startet immer im Dezember eines Jahres und endet im Januar des folgenden Jahres.
Das Konzept klingt spannend: Viele Bloggerinnen schreiben nach ähnlichen Leitfragen ihren Jahresrückblick – und bekommen dank Vernetzung mehr Reichweite. Der entstehende Rückblick richtet sich mehr nach außen; ist also weniger privat als mein persönlicher Jahresrückblick, den ich bereits seit vier Jahren handschriftlich mache. Deshalb dachte ich mir: Das ist die perfekte Ergänzung für The Story to Be. Fürs kommende Jahr habe ich mir nämlich vorgenommen, als Person mehr in den Vordergrund zu treten – sodass mich meine Leserinnen und Leser besser kennenlernen können.
Erste Schritte habe ich bereits unternommen: Seit 2025 schreibe ich tatsächlich meinen Newsletter und auch meine Über-Seite ist still und heimlich persönlicher geworden. Dort finden sich inzwischen Fotos von mir – und in diesem Artikel folgen weitere. 😉
Warum ich jetzt doch Fotos von mir zeige – und was das mit meinen Texten zu tun hat
Eigentlich sehe ich mich selbst nicht so gerne auf Fotos. Erschwerend existieren wenige, auf denen ich passabel aussehe – denn auf 90 % aller Fotos strecke ich entweder die Zunge heraus, ziehe eine Grimasse oder schlafe.


Mein liebstes Hobby: Dumm in die Kamera schauen
Aber meine Autorenkollegin Sascha Sprituk sagte mir auf der Buchmesse Frankfurt etwas, das mich zum Nachdenken gebracht hat: Vielleicht magst du keine Fotos von dir, weil du zu selten Fotos von dir siehst oder machst.

Tatsächlich denke ich oft, wenn ich alte Fotos von mir sehe: Du siehst doch gar nicht schlimm aus. Warum hast du dir auf diesem Foto nicht gefallen?
Nach Saschas Worten kam mir in den Sinn, dass ich – ehe ich mich an die Öffentlichkeit wagte – ähnlich über meine Texte dachte. Direkt nach dem Schreiben fand ich sie gerade gut genug für die Schublade. Doch begegnete mir nach Jahren solch ein verworfener Text zufällig wieder, kam sofort der Gedanke auf: Wow. So etwas habe ich mal geschrieben? Das könnte ich heute gar nicht mehr.
Zugegeben, ich denke nicht bei allen Texten so. Gerade lese ich mich für meine Masterarbeit durch alte Tagebücher, die ich als autoethnografisches Zusatzmaterial verwenden möchte – und bei einigen Einträgen muss ich schnell weiterblättern, weil ich mir selbst peinlich bin.
Möglich, dass es sich mit Fotos ebenso ähnlich verhält: Man muss sich erst einmal an das eigene Bild gewöhnen. Und schließlich schätze ich es selbst auch, wenn andere mir Einblicke in ihr Leben gewähren.
Das erwartet dich im Artikel
- Lesen vor 50 Leuten – und warum ich froh war, dass ich sie nicht alle sehen konnte
- Als der Tod dreimal klopfte... und ich ihn einlassen musste
- Wenn die Baustelle dein Leben übernimmt – und du plötzlich Landschaftsbauerin wirst
- Als mein Hund 12 Zähne verlor – und ich merkte, dass ich jahrelang den falschen Backenzahn geputzt hatte
- 13 Autor:innen, ein Stand und eine Lesung, bei der ich dachte, mein Herz springt raus
- Warum ich 2026 keinen eigenen Buchmesse-Stand mehr habe – und warum das okay ist
- Nein sagen ist gut – aber manchmal sagt das Herz einfach Ja
- Saarbrücken, ich habe dich unterschätzt
- Spontanumzug: Wie wir in fünf Tagen alles organisierten – und dabei sogar eine Küche ergatterten
- Urlaub in Zeeland: Als wir dachten, es regnet zwei Wochen – und Belgien entdeckten
- Mein erster Podcast – und warum ich plötzlich Amazon-Ads auswerten musste
- High Tea und der Pferdemetzger aus Böckingen
- Keine Zeit zum Schreiben? 256 Seiten Freewriting, 25 Blogartikel und 2 Stories erzählen eine andere Geschichte
- Wie ich meinen Blog vor KI-Crawlern schütze – und warum ich jetzt eine Anmeldung verlange
- Endlich Subscriber!
- 5.100 Seitenaufrufe und eine Bounce-Rate, die mich ratlos macht
- Warum ich mich jetzt auf meiner Homepage zeige – und was Tamara Leonhard damit zu tun hat
- Blog-Lieblinge 2025: Diese Artikel haben mich (und euch) begeistert
- 2026: Das Jahr, in dem ich »muss« aus meinem Wortschatz streiche – und endlich meine Masterarbeit beende
Rückblickend ist das Motto meines Jahres: Wenn alles anders kommt – und doch irgendwie gut wird.
Als ich 2024 meinen persönlichen Jahresrückblick 2024 geschrieben habe, sahen meine Ziele für 2025 ein gemütliches Abschlussjahr vor: Masterarbeit schreiben, Geschichten entwerfen und dafür sorgen, dass wir endlich in unsere Wohnung nach Spicheren ziehen können.
Doch dann kam alles anders. Erschreckend anders.
Dabei begann 2025 vielversprechend und planmäßig: Ich arbeitete im Frühjahr an meiner Masterarbeit, las mich durch die Fachliteratur zu Erinnerung, Resonanz und Autoethnografie. Ich besuchte das zweite Modul meiner Poesie- und Bibliotherapie-Fortbildung in der Schweiz. Und ich freute mich auf meine erste größere Lesung in der Lettrétage.
Lesen vor 50 Leuten – und warum ich froh war, dass ich sie nicht alle sehen konnte
Im März fand mit ziemlicher Verspätung die Lesung zur Anthologie Hellersdorf – gekommen, um zu schreiben statt. Das Buch ist bereits 2024 erschienen – und das Schwester-Projekt zu Tintenspuren.* Während ich in Tintenspuren,* das im selben Jahr herausgekommen ist, über meine persönlichen Erfahrungen im Studiengang »Biografisches und kreatives Schreiben« berichte, wollte ich in Hellersdorf die schönsten Texte unserer Gruppe, dem 16. BKS-Jahrgang, präsentieren und einen Querschnitt zeigen. Denn eine der wunderbarsten Erfahrungen während dieses Studiengangs war, zu erleben, wie unterschiedlich die Menschen schreiben, mit welchen Themen sie sich tragen – und wie facettenreich unsere Texte waren.
Weil es schwierig ist, bei so vielen Beteiligten einen passenden Lese-Termin zu finden, lag dieser Termin etwas weiter in der Zukunft als ursprünglich geplant. Denn natürlich wollten wir unbedingt in der Lettrétage lesen, dem traditionellen Leseort unseres Studiengangs.
Ich bin sehr froh, dass meine Kommilitonin Vera Herz die Organisation der Lesung übernommen hat und so viele Mitwirkende daran teilnehmen konnten. Sogar den Verantwortlichen des Studiengangs, Guido Rademacher, konnte sie für die Moderation gewinnen. Ich war ganz schön aufgeregt, als ich aus meiner Kurzgeschichte »Die Nachverhandlung« vorgelesen habe – denn der Saal war voll. Über 50 Menschen! Gut, dass ich in der Dunkelheit und geblendet vom Scheinwerferlicht nicht alle Gesichter sehen konnte. Denn in der Rolle der Vorlesenden fühle ich mich bislang nicht so sicher. Obwohl ich natürlich für die Lesung geübt habe.


Impressionen von meiner ersten großen Lesung in der Lettrétage
Besonders gefreut hat mich, dass mir meine Gruppe mit Blumen für meinen Einsatz als Herausgeberin gedankt hat. Für mich war das unsere inoffizielle Abschlussfeier – an der offiziellen habe ich leider nicht teilnehmen können. Außerdem bin ich mit dem Studium auch noch nicht fertig. Inzwischen bin ich so ziemlich die einzige aus dem Jahrgang, die ihren Master noch nicht hat. 🙈
Zum Abschluss des Berlin-Aufenthalts und um die Studienzeit gebührend ausklingen zu lassen, haben mein Partner und ich Berlin von seinen schönsten Seiten genossen: Naturkundemuseum, Fine Dining im Frea und einen Friedhofs-Spaziergang.
Ich mag es einfach, in allen Städten die Gräber von bekannten Schriftstellern aufzusuchen. Dieses Mal besuchten wir E.T.A. Hoffmann. Am Grab war ich unsicher, ob ich wirklich am richtigen stehe – denn der Name lautete E.T.W. Hoffmann. Doch ein Wikipedia-Artikel klärte mich auf: Hoffmann war ein derart großer Fan von Mozart, dass er sich umbenannte – von Wilhelm zu Amadeus.



Berlin, Berlin – wir waren in Berlin
Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, welch schwere Zeiten 2025 für uns bereithalten würde, die nur vier Tage nach unserer Rückkehr aus Berlin beginnen sollten.

Als der Tod dreimal klopfte... und ich ihn einlassen musste
Am 6. März begann der Sterbeprozess meiner Schwiegermutter. Ihr Tod kam trotz ihrer Krebserkrankung unverhofft. Erst in der Woche zuvor hatte sie ihre Strahlenbehandlung bekommen – fast sechs Monate haben wir auf eine Behandlung gewartet. Für sie bedeutete das Schmerzen, unzählige Krankenhausaufenthalte, Ursachensuche – denn man konnte zwar Metastasen, aber keinen Tumor finden.
Wir alle waren optimistisch, dass es ihr nun endlich wieder besser gehen würde, hofften auf einen glücklichen Ausgang. Doch sie war gerade mal zwei Tage zu Hause, als sich das Blatt dramatisch wendete.
Vom Palliativdienst, der für die Schmerzbehandlung zuständig ist, bekam sie eine Morphin-Pumpe – obwohl sie zeitgleich ein Medikament einnahm, das zusammen mit Morphin eine Überdosierung wahrscheinlich machte. Deswegen hätte sie Morphin in Pillenform einnehmen müssen. Die im Beipackzettel beschriebene Nebenwirkung trat ein – zusammen mit einer weiteren seltenen Nebenwirkung, für die sie aufgrund ihrer Vorgeschichte eine Risikopatientin war: Harnverhalt.
Weil die Pumpe nachmittags gesetzt wurde, fiel nicht auf, dass in der Nacht ihr Atem flacher wurde und sie in eine Überdosierung fiel. Die Pumpe spritzte fleißig Morphin nach. Als mein Schwiegervater am Morgen den Palliativteam anrief und sagte, seine Frau lasse sich nicht wecken, wurde er nicht ernst genug genommen: Sie benötige den Schlaf, man käme am Mittag.
Doch mittags war es bereits zu spät. Der Notarzt wurde gerufen. Wie lange meine Schwiegermutter zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt war, konnte man nur noch mutmaßen. Aber eins war nun Fakt: Ihre Patientenverfügung griff. Und die besagte, man solle keine lebenserhaltenden Maßnahmen ergreifen. So begleiteten wir sie sechs Tage und Nächte in ihren Tod.
Ich teile diesen Todesfall übrigens in diesen deutlichen Worten, weil ich in den sechs Monaten der Krankheitsbegleitung insbesondere eines festgestellt habe: Wie undeutlich Ärzte mit Patienten kommunizieren, wie wenig die Risiken und Wechselwirkungen von Medikamenten angesprochen werden – und wie tödlich solche Fehlinformationen sein können.
Unmittelbar nach ihrem Tod fühlte ich mich ohnmächtig, geschockt, wütend. All das hätte so nicht geschehen müssen! Gleichzeitig wusste ich auch, wie die Situation im Gesundheitsbereich ist: Alle im Krankenhaus haben bestimmt versucht, ihren Job so gut wie möglich zu machen.
Nach diesem traurigen Schicksalsschlag war kein Platz für die zeitintensive Masterarbeit – also pausierte ich das Projekt. Stattdessen kümmerten wir uns gemeinsam um alles, was anfällt, wenn ein Mensch stirbt: die Beerdigung, der Papierkram, das Verteilen der Aufgaben. Dabei wurde uns allen bewusst, wie viel meine Schwiegermutter hinter den Kulissen bewegt hat – und wie sehr sie fehlt.
Beeindruckend fand ich, wie umfänglich sie selbst ihren Tod vorbereitet hatte: Es erwartete uns ein dicker Ordner, der nicht nur alles Bürokratische enthielt, sondern auch Briefe für ihre Söhne und ihren Mann sowie genaue Anweisungen, wie ihre Beerdigung zu gestalten sei: schlicht und edel – alle ihre Wünsche von Urnenfarbe über Blumenarrangements bis hin zur Musikauswahl hat sie darin festgehalten.
Zum Schmunzeln brachte uns in dieser schweren Zeit, dass mein Schwiegervater das Schlicht und Edel seiner verstorbenen Frau immer in Schlicht und Einfach abwandelte.
Mein Anteil an der Beerdigung war, dass ich die Todes- und Dankesanzeigen für meine Schwiegermutter gestaltete – schlicht und edel, mit vielen Engeln. So, wie sie es sich gewünscht hätte.


Mein kleiner Betrag, um die Wünsche meiner Schwiegermutter umzusetzen
Schwere Zeiten bringen aber auch unsere Stärken an Licht – und eine Stärke, die ich in mir entdeckte: Ich schätze Situationen schnell richtig ein, setze mich auch mit schweren Themen auseinander, um helfen zu können.
Bereits Anfang des Jahres hatte ich mir das Buch So sterben wir besorgt. Natürlich hätte ich nie geglaubt, dass ich das Wissen darin nur wenige Wochen später brauchen würde.
Besonders stolz bin ich auf eine Sache: Als klar war, dass meine Schwiegermutter ihre letzten wachen Momente erlebte, habe ich dafür gesorgt, dass ein Priester und die Verwandtschaft herbeigerufen werden. So standen wir alle um ihr Bett, sangen ihr liebstes Kirchenlied, beteten für sie – und sie bekam die letzte Ölung.
Ich bin davon überzeugt, dass die Dinge nie ohne Grund geschehen. Als ich das letzte Mal mit meiner Schwiegermutter gesprochen habe, stritten wir uns merkwürdigerweise über das Thema Kirche. Ich verstand nicht, warum sie nach all den Skandalen unbedingt in der Kirche bleiben wollte. Sie entgegnete: »Es ist mir wichtig.«
Ohne dieses Gespräch wäre selbst ich nicht auf die Idee gekommen, ihr einen Priester zu rufen. So konnten wir uns alle damit trösten, dass sie noch einmal gelächelt hat, als sie umringt von ihrer Familie das letzte Sakrament empfangen hat. Dabei spürte ich auch zum ersten Mal sehr deutlich, was der Glaube vermag und warum es Priester gibt: Sie finden Worte, wenn man selbst aus Trauer verstummt ist.
Natürlich lugte auch in dieser traurigen Situation ein lustiger Moment um die Ecke – in Form einer eifrigen Krankenschwester. Sie stürzte just im Moment der letzten Ölung mit den Worten »Ich muss die Patientin umlagern, können Sie kurz aus dem Zimmer gehen?« herein – und verstand die irritierten Blicke nicht, die zehn Menschen auf sie richteten.
Leider zeigt das nur, was traurige Realität ist: Menschen sterben in Krankenhäusern so häufig alleine, dass unsere Situation sehr ungewöhnlich war. Ungewöhnlich genug, dass selbst das Personal nicht begriff, was gerade passierte.
Im Juli starb auch die Mutter einer engen Freundin. Und im August trugen wir meine Freundin E. aus Leipzig zu Grabe. Beide starben nach langjähriger Krebserkrankung, beide wurden in Särgen bestattet – und ich habe gemerkt, wie viel schöner und verstehbarer ich das empfinde als Feuerbestattungen & Urnen.
Ich vermisse die Beerdigungen aus meiner Kindheit, bei denen man die Menschen noch im Sarg anschauen konnte und wo es selbstverständlich war, dass man zur Beerdigung ging, wenn man die verstorbene Person kannte. Irgendwie finde ich, man sollte Gelegenheit bekommen, dem Tod zu begegnen, sich mit ihm zu versöhnen – und spüren dürfen, dass man in der Trauer nie alleine ist.
Bis zum Tod meiner Schwiegermutter war ich überzeugt, dass ich den Tod als Teil des Lebens akzeptiert hätte. Schließlich war sie nicht die erste Tote, die ich gesehen habe. Bereits mit sieben stand ich am Totenbett meiner Urgroßmutter Eva.
Aber einen geliebten Menschen beim Sterben zu begleiten, ist etwas vollkommen anderes. Ihr Sterben empfand ich als existenziellen Schock. Als schütte mir das Schicksal einen Eimer eiskaltes Wasser über, um mich aufzurütteln und zu mir ins Ohr zu schreien: Auch du musst sterben. Es ist unvermeidlich. Du stirbst eher, als du denkst.
Ein memento mori, das bis heute in mir nachhallt. Vielleicht halte ich Sterbebegleitung darum für so wichtig: Es erinnert uns daran, unser richtiges Leben zu leben – und kein falsches, das wir uns haben überstülpen lassen.
Seitdem denke ich darüber nach, was denn mein richtiges Leben sein könnte. Eine definitive Antwort habe ich leider noch nicht gefunden. Aber bis ich diese Antwort in mir finde, versuche ich zumindest jenen Wegen zu folgen, die sich richtig anfühlen. Schreiben gehört definitiv dazu!
Wenn die Baustelle dein Leben übernimmt – und du plötzlich Landschaftsbauerin wirst
Nachdem ich den Anmeldetermin im April nicht wahrnehmen konnte, wollte ich meine Masterarbeit unbedingt im Juni anmelden. Ab Mai hatte ich den Kopf wieder frei und war dankbar für die Ablenkung. Das Gute an großen Projekten ist: Man kann ganz darin versinken. So war ich im Juni schon gut vorangekommen mit dem theoretischen Teil, als mich ein neues Problem aus der Bahn warf: die Baustelle. Again.
Anfang des Jahres und weil wir im Herbst unbedingt umziehen wollten, hatten wir einen Freund mit der Leitung unserer Baustelle beauftragt. Leider haben wir ihm zu viele Freiheiten gelassen, keine verbindlichen Fristen für die Zwischenschritte gesetzt und nichts schriftlich vereinbart. Der geplante Umzugstermin rückte näher, von vier Aufgaben waren in vier Monaten erst eineinhalb erledigt und wir glaubten seinen Worten nicht mehr, dass alles »in zwei Wochen fertig« würde. Der Baustellen-Besuch im Juni zeigte: In dem Tempo klappt der Einzug im August nicht.
Also habe ich die Bauleitung wieder selbst übernommen, in der Hoffnung, sie so wenigstens zum Oktober abschließen zu können. Das bedeutete: Jeden Tag vor Ort sein, mit den Handwerkern sprechen und koordinieren. Für die Masterarbeit blieb nebenher keine Zeit – also habe ich zum zweiten Mal die Pause-Taste gedrückt.
Und weil ich schon auf der Baustelle sein musste und genervt war von dem ganzen Gestrüpp, das immer wieder unseren Eingang zuwucherte, habe ich nebenbei den gesamten Hang vor unserer Wohnung von der armenischen Brombeere befreit und bienenfreundlich angelegt.
Zugegeben: Ich hätte dieses Projekt wahrscheinlich nicht begonnen, hätte ich die Quadratmeterzahl richtig geschätzt. Statt wie gedacht 15 qm musste ich in Wirklichkeit 40 qm umbuddeln und neu bepflanzen – mit hunderten von Bodendeckern. Das war nicht nur anstrengender, sondern auch wesentlich teurer als gedacht. Aber so läuft das meistens bei mir. Typischerweise beginnen solche Aktionen mit meinem Spruch: Wie schwer kann das schon sein?


Ich weiß nicht, wie viele armenische Brombeeren ich ausgegraben habe – aber sie sind wirklich überall!
Als mein Hund 12 Zähne verlor – und ich merkte, dass ich jahrelang den falschen Backenzahn geputzt hatte
Im August kam dann noch ein schwerer Moment für meinen Hund Krümel: Er musste Zähne gezogen bekommen – und zwar mehr als ich dachte. Ganze zwölf Zähne mussten raus – und das, obwohl ich mich um seine Zahnpflege kümmere. All das Zähneputzen über die Jahre hat zwar geholfen, aber am Ende wird bei kleinen Hunderassen die dichte Zahnstellung zum Problem. Erst beim Tierarzt fand ich heraus, dass der hinterste Backenzahn, den ich Krümel immer mit viel Mühe geputzt habe, gar nicht sein hinterster Backenzahn war.
Nach zweieinhalb Stunden OP und bangem Warten war ich dabei, als er aus der Narkose erwachte. Ziemlich erschrocken und hilflos stand ich daneben, als er ängstlich und verwirrt erwachte und sich kaum beruhigen ließ. Doch die Tierärztin konnte mich beruhigen (und auch Krümel) – und schon 30 Minuten später wedelte er wieder mit dem Schwanz. Seitdem futtert er sich den verbliebenen 18 Beißerchen durch den Fressnapf.


Armes Krümelchen.
Die Todesfälle und Probleme waren ein solches Gravitationsfeld in meinem Jahr, dass es mir am Jahresende vorkam, als sei 2025 hauptsächlich eines gewesen: traurig und stressig.
Darum habe ich dieses Jahr meinen persönlichen Jahresrückblick, den ich seit vier Jahren gemeinsam mit meinem Partner zum Jahreswechsel schreibe, besonders zu schätzen gewusst. Denn schwere Jahre machen es oft besonders unmöglich, die guten Momente im Gedächtnis zu behalten. An das Schöne müssen wir uns bewusst erinnern – sonst überwiegt leicht das Negative. Leider tickt so das menschliche Gehirn. Zwei Tage später hatten wir eine Liste wunderbarer Dinge, die 2025 auch passiert sind – und wir waren dankbar dafür, dass wir so viele schöne Momente erlebt haben. Einige dieser Momente folgen jetzt.
13 Autor:innen, ein Stand und eine Lesung, bei der ich dachte, mein Herz springt raus
Dreizehn Leipziger Autorinnen und Autoren, darunter ich, haben sich zusammengeschlossen, um einen Stand an der Buchmesse Leipzig zu finanzieren. Mit € 2.000 ist solch ein Stand für verlagsunabhängige Autorinnen nämlich kaum zu stemmen. Wir nannten uns »13 mit Feder« – und um die Organisation hat sich hauptsächlich meine Autoren-Kollegin Luga Faunus zusammen mit ihrer Partnerin Freddie gekümmert. Ich konnte mich aufgrund der Unterstützung der anderen ein wenig herausnehmen. Und so kam es, dass ich auf der LBM25 nicht nur meinen ersten eigenen Stand hatte, sondern auch einen Lese-Platz auf einer der Messe-Bühnen. 😳
Natürlich lief aufgrund der Umstände alles so mittel: Wir sind am Tag nach der Beerdigung nach Leipzig gefahren. Vorab hatte ich kaum Zeit, um für die Lesung zu werben. Auch zum Lesetraining kam ich nicht. Zudem fand die Lesung am letzten Messetag statt. Die Folge: Nur wenige Menschen saßen im Publikum. Aber ich war ganz froh darum, denn kurz bevor ich auf die Bühne sollte, war ich dermaßen aufgeregt, dass ich dachte, mein Herz klopfe sich durch die Brust ins Freie.
Doch vor einigen Erschöpften, die nur einen Platz suchten, um die müde gelaufenen Beine auszuruhen, konnte ich entspannt lesen. Geholfen hat auch, dass ich gemeinsam mit meinem Autoren-Kollegen Joachim Oelßner las, der immer die Ruhe selbst ist. Danach kamen sogar Leute an unseren Stand und ich konnte zwei Exemplare von Tintenspuren* verkaufen.

Warum ich 2026 keinen eigenen Buchmesse-Stand mehr habe – und warum das okay ist
Die LBM25 war nun meine dritte Buchmesse mit eigenem Stand. Davor nahm ich zweimal an der Buch Berlin teil. Auch wenn ich die Erfahrungen sehr genossen habe, so habe ich doch erkannt: Dieses Format ist nichts für meine Bücher und mich. Geteilte Messestände, bei denen nicht alle Autorinnen dasselbe Genre vertreten, lassen sich einfach schwer kommunizieren und bewerben. Zudem ist mein eigener Bücherkatalog ein Gemisch an unterschiedlichen Genres.
Deshalb habe ich für mich beschlossen: Vorerst gehe ich nur noch als Gast auf Messen. Mir gefällt es einfach viel besser, wenn ich durch die Gänge streifen, Lesungen hören und das Messe-Feeling genießen kann. Und wenn ich Lust habe, am Stand zu stehen, dann reicht es mir, Standdienste für den BVjA oder den Selfpublisher-Verband zu übernehmen.
Diese Erkenntnis tut gut, denn für mich sind auch Momente wichtig, an denen ich richtig spüre, was ich möchte und was ich nicht möchte. Denn ich muss Situationen häufig erst durchleben, um wirklich eine Entscheidung für mich treffen zu können.



Die LBM ist einfach eine wunderbare Buchmesse mit so vielen tollen Menschen!
Ganz herzlich möchte ich an dieser Stelle unseren Freunden Lena und Tariq danken, die uns vier Tage bei sich aufgenommen haben – die beiden sind übrigens professionelle Gastgeber und vermieten über Airbnb wunderbare Wohnungen in der Leipziger Innenstadt.

Nein sagen ist gut – aber manchmal sagt das Herz einfach Ja
2025 hat mir auch gezeigt, dass ich auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig tanze. Das verursachte viel Stress und ich fand kaum mehr Zeit für die Dinge, die ich wirklich machen möchte: schreiben, spazieren, Musik machen.
Also habe ich klare Prioritäten gesetzt: Aus der Regionalgruppenleitung des BVjA, die ich vom November 2024 bis Juli 2025 innehatte, habe ich mich zurückgezogen. Auch als stellvertretender Vorstand des Text-Atelier Leipzig e. V., den ich mit gegründet habe, bin ich zurückgetreten. Meine Autoren-Kollegin Mascha Vassena trat meine Nachfolge im Amt an.
Insgesamt bin ich auch zum Schluss gekommen, dass ich die enge Verbindung zu meinem Autoren-Kollektiv in Leipzig nicht aufrechterhalten kann. 💔 Die Entfernung zwischen Saarbrücken und Leipzig ist einfach zu weit. Außerdem möchte ich aufhören, Leipzig nachzutrauern und mich für neue Verbindungen öffnen – mit Schreibenden in meinem direkten Umfeld.
Das ist auch der Grund, weshalb ich »Ja« gesagt habe, als Desirée Phénix und Jan Ranft mich fragten, ob ich nicht dritte Verantwortliche des Schreibtreffs WortKunstLiebe sein möchte. Eine dritte Verantwortliche zu sein, die vorerst nur im Notfall einspringt – das erscheint mir auch mit Masterarbeit machbar.
Saarbrücken, ich habe dich unterschätzt
Als uns 2023 ein nicht auflösbarer Konflikt mit unserer Leipziger WEG zurück nach Saarbrücken führte, war ich sehr traurig, Leipzig Goodbye zu sagen. Nach zehn Jahren in dieser aufblühenden und lebendigen Stadt kam mir Saarbrücken wie übelste Provinz vor. Das einengende Gefühl war noch stärker als zwanzig Jahre zuvor, als ich Saarbrücken verlassen habe, um etwas von der Welt zu sehen.
Dabei ist dieses Urteil sehr ungerecht. Saarbrücken hat sich stark verändert und die Menschen dort sind so herzlich und aufgeschlossen. Zudem konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, Saarbrücken putze sich extra für mich heraus: Es gab plötzlich einen Carsharing-Anbieter – damals hatten wir kein Auto und dank City Flitzer in zehn Jahren auch keines gebraucht. Im Jahr unserer Ankunft eröffnete das erste Specialty Café Saarbrückens und die Stadt hat inzwischen sogar ein ausgezeichnetes Ramen-Restaurant, das selbst für Berlin ein Aushängeschild wäre. Und 2024 wurde die Direktverbindung zwischen Saarbrücken nach Leipzig gekappt – und eine nach Berlin eingerichtet. Als wolle die Stadt mir sagen: Keine Sorge, du kommst auch von hier aus ohne Umstieg zur Uni.




Nori, Café Liebich, Comame – auch kulinarisch hält Saarbrücken einiges für uns bereit
Etwas mürrisch beschloss ich, mich auf die Stadt einzulassen und sie eher als Chance denn als Strafe zu verstehen. Wo nichts ist, kann ja was werden, dachte ich mir. Und es wurde!
- 2023 gründete sich der Literarische Stammtisch Saarbrücken und ich fand andere Autorinnen und Autoren.
- Durch ein cooles (und kostenfreies) Angebot des Staatstheaters – die »Wortakrobaten« – konnte ich das Schreiben fürs Theater ausprobieren. Das Angebot wurde 2025 leider eingestellt. Aber aus den Mitgliedern ist WortKunstLiebe entstanden.
- Dank der Nähe zu Frankfurt war endlich das BVjA-Hauptseminar erreichbar, an dem ich 2025 zum dritten Mal teilgenommen habe.
- Zudem gibt es mit Tamara Leonhard, Benjamin Spang und Jan Ranft auch sehr aktive Selfpublisher im Saarland, die interessante Veranstaltungen organisieren.



Die Szene an Angeboten für Schreibende wächst
Trotzdem habe ich erst mit dem Tod meiner Schwiegermutter verstanden, warum uns das Schicksal wieder nach Saarbrücken geführt hat: Wir sollten da sein.
Noch immer zeigt sich uns Saarbrücken von seinen schönsten Seiten, als wolle es uns sagen: Bleibt doch. Ist schön hier. Und Paris ist direkt um die Ecke!
Mitten im Baustellen-Stress und ohne Aussicht auf Umzug bescherte uns 2025 auch einen Silberstreif am Horizont: ein neues Haus. Eigentlich handelt es sich dabei um ein Investment. Das kleine Mehrfamilienhaus ist nicht für uns selbst, sondern zur Vermietung gedacht. Aber aufgrund des Verkaufs standen aktuell zwei Wohnungen leer. So bekamen mit dem Zuschlag nicht nur ein Objekt für die Altersvorsorge, sondern wieder Hoffnung auf entspannteres Wohnen.

Denn die vergangenen drei Jahre bedeuteten für uns Dauerstress. Die Baustelle schien sich jedem Versuch, sie fertigzustellen, aktiv zu widersetzen. Wir hockten mit drei Tieren auf 67 qm zusammen im Homeoffice – und mussten den Hausrat aus unserer doppelt so großen Leipziger-Wohnung bei der Verwandtschaft unterstellen. Was auch bedeutete: Ständig suchten wir nach Dingen, die sich unauffindbar in den eingemotteten Kisten versteckten.
Spontanumzug: Wie wir in fünf Tagen alles organisierten – und dabei sogar eine Küche ergatterten
Im August haben wir die Verträge unterschrieben, im September das Haus übernommen, da war längst klar: Die Baustelle wird auch im Oktober nicht fertig.
Also sind wir kurz entschlossen in eine der freien Wohnungen gezogen. Von der Entscheidung bis zum Umzugstag vergingen genau fünf Tage – in denen es hieß:
- gebrauchte Küche finden – gleich die erste, die ich auf Kleinanzeigen gesehen habe, passte perfekt, war günstig und konnte direkt am Wochenende abgeholt werden
- Kisten packen – dank der Unterstützung meiner Freundin Stephie in zwei Tagen erledigt
- Wohnung putzen
- Umzugsauto und -helfer organisieren
- umziehen
So schnell wir dieses Jahr sind wir noch nie umgezogen. Und dann auch noch zwei Wochen vor dem gebuchten Urlaub! Aber alles hat geklappt. Es ging nur ein Bücherregal zu Bruch 😅
Und seit Oktober haben wir das erste Mal in drei Jahren wieder ein Zuhause, in dem wir uns so richtig wohlfühlen.
Urlaub in Zeeland: Als wir dachten, es regnet zwei Wochen – und Belgien entdeckten
Nach dieser Hauruck-Aktion schleppten wir uns auf dem Zahnfleisch in den Urlaub. Ursprünglich hatten wir einen Roadtrip durch Südfrankreich geplant. Aber nach all dem Stress in der ersten Jahreshälfte hatte keiner von uns beiden die Lust oder Kraft, ihn zu organisieren. Wir wollen einfach nur unsere Ruhe haben, abschalten, aufs Meer schauen und mit Krümel am Strand spazieren. Also wurde aus dem Roadtrip in die Provence kurzerhand ein Ferienhaus in Zeeland.
2011 bis 2013 haben wir in den Niederlanden gelebt. Ich habe dort studiert, Deutsch unterrichtet und erinnerte mich gerne an den schönen Sommer mit Baby-Krümel am Strand. Also schaute ich voller Vorfreude dem ersehnten Urlaub entgegen: wieder Niederländisch sprechen, barfuß durch den Sand laufen, Radfahren – und vielleicht ein Städtetrip nach Brügge.
Doch dann kam der Wetterbericht: zwei Wochen Regen! Also ließen wir Krümel schweren Herzens zu Hause. Er ist nämlich ein ausgesprochener Schönwetter-Hund. Sobald es regnet, ist er nicht vom Sofa wegzubringen.
Krümel verbrachte einen Wohlfühl-Urlaub bei meinem Schwiegervater und seinem Hunde-Freund Balu – und wir überlegten, was in Zeeland bei schlechtem Wetter zu tun wäre. Wenig, wie sich herausstellte.
Als wir ankamen, stellten wir nicht nur fest, dass wir ein Haus in einer reinen Feriensiedlung gebucht hatten – in Zeeland waren darüber hinaus die Bürgersteige bereits hochgeklappt: kaum ein Laden offen, die Orte menschenleer, die Hauptsaison sichtbar vorbei.

So kam es, dass wir viel Zeit in den angrenzenden belgischen Städten verbrachten – und diese lieben lernten. Zuvor schien uns Belgien nur die hässliche Landschaft, durch die man sich quälen musste, um in die Niederlande zu kommen. Außer dem ewigen Stau vor Brüssel hatte Belgien bisher wenig zu bieten. Doch Belgien ist in Wahrheit wunderschön! Wir waren in Brügge, Gent, Antwerpen – und waren begeistert. Und am Ende wurde das Wetter besser als vorhergesagt. Zwar stürmte es zwei Tage lang – aber danach stahl sich die Sonne durch die Wolken und wir konnten ausgiebig mit den Rädern die Küste entlangfahren.




Postcards from NL
Mein erster Podcast – und warum ich plötzlich Amazon-Ads auswerten musste
Spannend war auch, dass ich das erste Mal an einem Podcast teilgenommen habe. Tamara Leonhard hatte von meinem Werbe-Experiment auf Amazon erfahren und fragte mich im Dezember, ob ich nicht spontan Lust hätte, bei einem Real Talk von Die Zwei von der Talkstelle mitzumachen.

Ich wollte gerne – und musste deshalb übers Wochenende das Ads-Experiment auswerten. Eine Aufgabe, die ich seit Juni vor mir herschiebe. Denn in Wahrheit hatte ich es das Experiment längst sich selbst überlassen.
Aber auch das gehört zu einem Real Talk: die Erkenntnis, dass man zu faul war, die Ads regelmäßig zu optimieren. Und obwohl ich mich davor gedrückt hatte, weil ich fürchtete Unsummen Geld versenkt zu haben – so schlimm war’s am Ende gar nicht.
Weitere frohe Botschaft: Im Dezember habe ich wieder mit meiner Masterarbeit angefangen und mich – um Tatsachen zu schaffen – endlich angemeldet. Das heißt: Ab jetzt läuft die Zeit! Und 2026 wird garantiert mein Abschlussjahr.
High Tea und der Pferdemetzger aus Böckingen
Zu einem der besonderen Momente dieses Jahres zählt auch unser Ausflug nach Heidelberg. Dort habe ich ein Restaurant entdeckt, das High Tea anbietet – eine Leidenschaft von mir. Und weil wir gerade beim Tee saßen, als Papst Franziskus starb, weiß ich zufällig genau, wo ich an seinem Todestag war.
Sein Ableben war auch Gesprächsthema am Nebentisch. Dort saß eine Gruppe älterer Herrschaften und zwischen ihnen entspann sich eine derart lustige Konversation, dass ich tat, was ich sonst selten tue: Ich schrieb mit. Aus dem Dialog habe ich eine kleine Szene gestaltet, die dich hoffentlich genauso amüsiert wie mich.

Keine Zeit zum Schreiben? 256 Seiten Freewriting, 25 Blogartikel und 2 Stories erzählen eine andere Geschichte
Auch wenn ich über das Jahr hinweg das Gefühl hatte, überhaupt keine Zeit zum Schreiben gehabt zu haben – auch dieses Gefühl trog mich. Was ich aber erst beim Jahresrückblick feststellte.
- Ich habe 256 Seiten Freewritings geschrieben: Alle Freewritings sind zwischen Mai und Juni entstanden – nach dem Resonanz-Prinzip, das ich für meine Masterarbeit anwende. Sie sind das Rohmaterial für eine autofiktionale Kurzgeschichte, die ich als Teil dieser Arbeit schreiben werde.
- Ich habe 25 neue Blogartikel verfasst: Da ich während des diesjährigen NaNoWriMo 30 Tage lang gebloggt habe, war ich unglaublich produktiv. 15 der 25 Artikel, die ich 2025 auf The Story to Be gepostet habe, sind alleine im November entstanden! Das klingt viel – war aber immer noch deutlich weniger als 50.000 Wörter!
- Ich habe 21 bestehende Blogartikel aktualisiert: Den Blog, wie er heute aussieht, gibt es erst seit Juni 2024. Noch immer warten unzählige WordPress-Artikel auf ihr Update. Aber diese Zahl ist 2025 deutlich geschrumpft. 21 Artikeln habe ich ein Update verpasst: Links neu vergeben, die Formatierung angepasst sowie alle Tutorials umfangreich überarbeitet. Nur noch 40 warten in der Pipeline.
- Ich habe 2 Geschichten geschrieben:
- Vom alten Hahn, der sterben sollte (Endfassung) – ein Märchen, das derzeit nur in einer Privat-Anthologie zu lesen ist, das ich aber im nächsten Jahr als illustriertes Buch veröffentlichen möchte.
- Die Fädnerin des Les Tenova (Erstfassung) – eine märchenhafte Erzählung, die ich als Hommage für meine Schwiegermutter verfasst habe.
- Ich habe 2 Newsletter verschickt: Diejenigen unter euch, die meinen Blog bereits abonnieren, haben es bemerkt: 2025 habe ich endlich meinen Newsletter verwirklicht. Den Inspirations-Kick dazu gab der Newsletter meiner Autoren-Kollegin Sascha Sprituk, die immer so erfrischend persönlich geschrieben sind. Einen solchen Ansatz konnte ich mir auch für meinen eigenen Newsletter vorstellen. Und so gibt es ab jetzt vierteljährlich einen Newsletter von mir.
- Ich habe 1 Anthologie herausgegeben: Die kleine Märchensammlung »Legenden sterben nicht« ist ganz wunderbar geworden. Zu schade nur, dass sie eine Privat-Edition ist, denn sie war absolut veröffentlichungsreif. Aber über das kleine Buch haben sich alle sehr gefreut.
- Ich war an 1 Anthologie beteiligt: Das Text-Atelier Leipzig e. V. hat Von Schmetterlingen im Bauch und anderen Katastrophen herausgegeben – eine Anthologie rund ums Thema Liebe. Auch von mir finden sich darin Geschichten und Gedichte.
Überdies endete 2025 das erste Jahr meiner dreijährigen Poesie- und Bibliotherapie-Fortbildung, die gerade viel in mir bewegt und für die ich zahlreiche Texte geschrieben habe – vor allem Gedichte und Freewritings.



Eine der besten Entscheidungen für mich als Schreibende: die PBT-Weiterbildung in der Schweiz
Witzigerweise dachte ich auch: Ich hab mich dieses Jahr kaum bewegt. Diesen Fehleindruck konnte meine Fitbit-App gerade rücken: Insgesamt bin ich 4.549.302 Schritte gelaufen – was rund 3.100 km entspricht. Wäre ich Anfang des Jahres in Saarbrücken losgelaufen, hätte ich Ende des Jahres schon in Jekaterinburg (Russland) sein können. 🤯
Das zeigt mir, wie falsch ich gefühlsmäßig alles eingeschätzt habe. Mit durchschnittlich 12.464 Schritten pro Tag bin ich 2025 sogar 251 Schritte mehr gelaufen als 2024.

Zudem hat mein Blog große Sprünge nach vorn gemacht.
Wie ich meinen Blog vor KI-Crawlern schütze – und warum ich jetzt eine Anmeldung verlange
Insgesamt hat sich auf meinem Blog einiges getan – vieles hinter den Kulissen. Ich habe jetzt endlich ein Cookie-Banner. Zugegeben, das hätte ich eigentlich die ganze Zeit haben müssen. Aber 2025 hatte ich endlich die Zeit, mich mit der notwendigen Technik auseinanderzusetzen. Stellte sich raus: War eigentlich ganz einfach.

Auch mein »Content nur für Menschen–Hinweis« kommt nun schlank – und wie ich finde sympathisch – daher. Ich möchte mit dem Hinweis um Verständnis dafür werben, dass man sich seit Mitte des Jahres anmelden muss, um meine Artikel vollständig zu lesen.
Diese Entscheidung hat zwei Gründe:
- Einerseits möchte ich mich vor den Crawlern der künstlichen Intelligenzen schützen – und Anmelde-Bereiche sind der zuverlässigste Schutz.
- Andererseits mache ich es so Content-Dieben das Leben etwas schwerer.
Tatsächlich hatte ich 2025 das erste Mal einen solchen Fall aufgedeckt. Der Artikel wurde allerdings schon 2023 gestohlen – von mir unbemerkt. Nur durch einen Zufall bin ich darauf aufmerksam geworden: Ich hatte einen Screenshot eines Artikels (so arbeite ich immer Tippfehler ab) – leider konnte ich den dazugehörigen Artikel nicht finden. Also habe ich einen Satz aus dem Screenshot gegoogelt – und stieß auf das Plagiat.
Zuerst dachte ich: Wie eigenartig, dass jemand exakt denselben Satz schreibt wie ich. Dann empfand ich es als merkwürdig, dass mein eigener Artikel in der Google-Suche NICHT auftauchte. Also klickte ich in den Artikel, las quer und fiel vom Glauben ab: Mein Artikel zur Schreibroutine wurde fast wortwörtlich übernommen – ohne Zitat oder ohne Hinweis auf meine eigene Webseite. Selbst die Literaturtipps sowie meine Morgenroutine zum Schreiben hat diese Person als ihre eigene ausgegeben! Ich war empört.

Natürlich habe ich die Sache direkt Google gemeldet, damit der Inhalt nicht weiter in den Suchergebnissen erscheint. Ehe ich jedoch rechtliche Schritte ergriff, wollte ich zuerst die Autorin der Webseite anschreiben und Unterlassung fordern. Von ihrer professionellen und ernsthaften Antwort war ich dann ganz positiv überrascht. Sie hat sofort alles eingestanden, mitgeteilt, dass sie den Artikel entfernen wird und sich aufrichtig entschuldigt.
Als Erklärung gab sie an, eine virtuelle Assistenz habe den Artikel für sie verfasst und sie habe diesen ohne genaue Prüfung abgenommen. Das täte ihr sehr leid. Ich war sofort versöhnt – und stelle fest, wie sehr ich solche menschlichen Momente mag. Momente, an denen es meinem Gegenüber mit den richtigen Worten gelingt, mich sofort versöhnlich zu stimmen und meinen Glauben an das Gute in der Welt wiederherzustellen.
Endlich Subscriber!
Auch wenn mich die Umstellung auf Ghost einiges an Zeit und Nerven gekostet hat: Sie hat sich gelohnt. Erstmals habe ich Abonnenten – drei davon sind sogar bereit, meine Arbeit finanziell zu unterstützen.

Oft wird unterschätzt, wie viel Zeit, Geld und Herzblut in einen Blog wie The Story to Be fließen. Daher bin ich allen Menschen dankbar, die mich mit einer bezahlten oder unbezahlten Mitgliedschaft unterstützen, den Blog weiterempfehlen oder meine Bücher kaufen – jedes bisschen hilft. Vor allem motiviert mich die wachsende Zahl der Abonnenten beim Schreiben.
5.100 Seitenaufrufe und eine Bounce-Rate, die mich ratlos macht
Leider liege ich mit meinen Seitenaufrufen noch immer deutlich unter dem Durchschnitt. Inhaltsreiche Nischen-Blogs wie The Story to Be sollten viel häufiger von Google empfohlen werden. 2025 hatte ich mit rund 5.100 Seitenaufrufen jedoch Klickzahlen wie ein Blog, der gerade erst durchstartet – dabei gibt es The Story to Be bereits seit sechs Jahren.
Dazu kommt erschwerend die vernichtende Bounce-Rate von 75 %. Das bedeutet: 75 von 100 Menschen haben sofort wieder weggeklickt, nachdem sie auf meinem Blog gelandet sind! Nicht gut – und mir ein Rätsel.

Also habe ich meine liebste allwissende Müllhalde dazu befragt: ChatGPT. Ihr Urteil: Meinem Blog fehlt eine deutliche Positionierung. Die Menschen kämen auf meine Webseite und wüssten nicht, was sie vor sich haben. Da hatte sie irgendwie recht. Die Lösung: eine Landing-Page, die den Blog erklärt. Diese Informationen hatte ich zuvor in meiner Über-Seite »versteckt«.
Erschwerend verwies meine Hauptdomain bis vor ein paar Tagen noch auf die alte, durch den Umstellungsprozess inzwischen kaputte WordPress-Version meines Blogs. Dort funktionierte kein interner Link mehr. Diese Weiterleitung habe ich inzwischen gelöscht.
Meine Ghost-Version ist seit diesem Jahr ausgereift genug, um auf eigenen Beinen zu stehen.
Bis zur vollständigen Übertragung aller Artikel kann es allerdings gelegentlich vorkommen, dass Links noch auf den alten Blog verweisen oder ungültig sind. Falls euch so etwas auffallen sollte, gebt mir gerne Bescheid. Denn mit WordPress habe ich leider auch mein Broken-Link-Plugin aufgeben müssen, das automatisch die Webseite nach ungültigen Links durchforstet. Das heißt: Ich muss jetzt alle kaputten Links selbst finden.
Seit Mitte Dezember verweist thestorytobe.com nun auf meine neue Home-Seite, in der ich kurz erkläre, worum es in meinem Blog überhaupt geht. Laut ChatGPT hilft das, die Bounce-Rate zu reduzieren. Und was soll ich sagen: Die KI hatte recht. Mal wieder. Seit der Umstellung ist meine Bounce-Rate auf 47 % gesunken.
Vielleicht liegt die gesunkene Bounce-Rate aber auch daran, dass ich im Dezember ein Marketing-Experiment gestartet habe: Ich war vermehrt in Facebook- und Reddit-Gruppen aktiv.

Über Judith Peters habe ich von einer neuen Kennzahl erfahren: der Domain Authority. Die DA ermittelt, wie gut eine Webseite bei Google dasteht – und das Rating geht von 0-100. Leider sieht’s in dieser Hinsicht nicht gut aus: nur eine 9. 🙈
Noch habe ich nicht die geringste Idee, wie ich daran etwas ändern könnte. Aber ich dachte mir: Ich notiere den Wert an dieser Stelle – dann kann ich nächstes Jahr schauen, ob sich daran etwas verändert hat. 🤓

Warum ich mich jetzt auf meiner Homepage zeige – und was Tamara Leonhard damit zu tun hat
Weil ich die Inhalte der Home-Seite aus meiner ursprünglichen Über-Seite zusammengeschustert habe, musste ich meine neue Über-Seite ebenfalls umschreiben. Also habe ich einen persönlicheren Ansatz gewagt.
Insgesamt habe ich beschlossen, mich zukünftig nicht mehr hinter meinem Werk zu verstecken – weder hinter meinem Blog noch hinter meinen Büchern. Inspiriert dazu hat mich Tamara Leonhard mit ihrem Autorinnen-Mindshift. Sie berichtete darüber, wie sehr sie an sich als Autorin zweifle – und das werde sich ändern. Sie wolle jetzt anfangen, sich selbst als erfolgreiche Autorin zu betrachten.
In ihren Worten habe ich mich komplett wiedererkannt: So denke ich auch!
Tamaras Offenheit hat mich ermutigt, ebenfalls meinen Mind zu shiften – wenn auch eher im Stillen. Dass ich als Autorin und Bloggerin aus dem Schatten hervortrete, den ich gewöhnlich selbst auf mich werfe, fühlt sich allerdings noch sehr ungewohnt an.

Blog-Lieblinge 2025: Diese Artikel haben mich (und euch) begeistert
- Mein liebster Artikel 2025 ist Worte & Karten – Heilsames Schreiben mit Tarot – Ich weiß nicht mehr so recht, weshalb mich dieses Jahr die Faszination für Tarot gepackt hat. Vielleicht war es nur ein Zufall: Wir waren im Urlaub in Brügge unterwegs, ich hatte Geburtstag und wollte mir etwas schenken – da sah ich eine Tarot-Version mit Van Gogh Motiven. Schon in meinem Jugendzimmer hingen die Sonnenblumen von Van Gogh, später das Nachtcafé in meinem Schlafzimmer. Und so startete meine Idee, Tarot fürs kreative Schreiben zu nutzen. Im ersten Teil geht es ums heilsame Schreiben. Für den zweiten Teil möchte ich Tarot zur Figurenentwicklung nutzen.
- Mit 611 Aufrufen war Träume als Schreibinspiration der beliebteste Artikel 2025 auf The Story to Be. Der Artikel ist nach einem VHS-Kurs entstanden, der mich 2024 begeistert hat – jedoch mit einem eigenen Twist: Neben Schreibübungen rund ums Thema Träume probiere ich auch eine Traumdeutungs-Methode nach Jürgen vom Scheidt aus. Seitdem notiere ich mir wieder häufiger meine Träume.
- Um Amazon Ads – was ich in einem Jahr gelernt habe benötigte ich über ein Jahr! Für diesen arbeitsintensivsten Artikel 2025 fuchste ich mich ins Thema Ads ein, schrieb 13 vorbereitende Artikel, investierte ordentlich Geld und Zeit – alles nur, um die Frage zu beantworten: Wie gut funktionieren Marketing-Tipps von Profis für Laien wirklich? Ich habe dabei einiges gelernt. Über mich – aber auch über mein Buch Tintenspuren.*
- Und der längste Artikel 2025 – du ahnst es bereits – ist dieser hier: mein 147. Zwei Tage habe ich ihn vorbereitet, drei Arbeitstage an ihm geschrieben. Ich finde, es hat sich gelohnt. 🤩

2026: Das Jahr, in dem ich »muss« aus meinem Wortschatz streiche – und endlich meine Masterarbeit beende
Das kommende Jahr steht ganz im Zeichen meiner Masterarbeit, der ich mich widmen möchte.
Gleichzeitig will ich daran arbeiten, mein Leben nicht ständig als eine Aneinanderreihung von Muss-Momenten wahrzunehmen. Gerade, wenn es stressig wird, erlebe ich auch selbst gewählte Projekte als Verpflichtung. Oft vergesse ich darüber, dass vieles, was ich mir vornehme, in Wirklichkeit einem großen Will entspringt.
2026 möchte ich das Wörtchen muss aus meinem Wortschatz verbannen. Ich will achtsam mit den Worten sein, mit denen ich mein eigenes Leben beschreibe.
Ansonsten erwartet mich die Aufbaustufe meiner Poesie- und Bibliotherapie-Weiterbildung. Schon im Januar geht’s dafür in die Schweiz.
Spannend wird’s auch ab Februar: Meine Ausbildung als Schreibcoach an der TU Darmstadt beginnt.
Jetzt hast du einen ausführlichen Einblick in mein vergangenes Jahr bekommen. Ich hoffe, dir hat dieses neue Format ebenso viel Spaß beim Lesen bereitet, wie mir beim Schreiben. Für 2026 wünsche ich dir von Herzen alles Gute – und ich hoffe, du schaust ab und an rein auf The Story to Be.

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