In diesem Artikel erzähle ich dir mehr über die Entstehung meines Covers zur Jubiläumsausgabe von The Marvelous Misfits of Westminster. Das Cover habe ich – unterstützt von KI als Werkzeug – komplett selbst gemacht. Wenn dich interessiert, wie ich dabei vorgegangen bin, dann lies gerne weiter. Aber Achtung: Ich räume mit einem großen Missverständnis auf. Denn auch bei einem gelungenen Buch-Cover mit KI musst du als Selfpublisherin noch einiges an Arbeit leisten!
Warum ein neues Cover?
Zum 5-jährigen Jubiläum der Veröffentlichung und anlässlich meiner ersten Buchmesse-Teilnahme mit eigenem Stand, wollte ich meinem Erstling aufs nächste Level heben.
Obwohl die Erstauflage sehr ordentlich dasteht – insbesondere, wenn man bedenkt, dass es sich dabei um mein allererstes Buch handelt –, haben mich zwei Dinge immer gestört: der Buchsatz, den ich damals mit Affinity gemacht habe, sowie die Druckqualität bei KDP.
Auch meine Verkaufszahlen lagen weit unter der schriftstellerischen Qualität des Buchs: 95 Bücher in 5 Jahren. Nicht so dolle. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass The Marvelous Misfits of Westminster viele Leserinnen finden könnte. Aber noch traf ich mit dem Cover nicht die richtige Zielgruppe. Das wollte ich ändern: mein einer professionelleren Jubiläumsausgabe!
Und wie bei der Erstausgabe auch wollte ich wieder alles selbst gestalten. Der professionelle Buchsatz war mit Vellum schnell erledigt. Die größere Herausforderung war – wie bisher bei jedem Buch – das Cover.
Eigentlich gefiel mir das Cover meines Erstlings noch immer ausgesprochen gut. Ich mag das Grafische daran, die leuchtenden Farben, das starrende Auge.

Aber wenn ich schon eine Jubiläumsausgabe machte, dann wollte ich alles überdenken. Kill your Darlings, heißt es ja immer so schön.
Why I Killed My Darling
Als ich 2021 die Erstausgabe veröffentlicht habe, gab noch keine Large Language Models, die Antworten auf alle Fragen hatten. Damals habe ich mich beim Cover-Design deshalb vor allem auf meinen eigenen Geschmack verlassen.
Jetzt interessierte mich doch, was eine KI über mein Design dachte. Und welche schnellen Lösungen sie für mich bereit hielt.
Denn mir war klar: Ich wollte und konnte nicht allzu viel Zeit in dieses neue Cover investieren. Denn The Marvelous Misfits of Westminster bekommt zwei weitere Teile, die bereits geplant sind. Und sobald diese Teile fertig sind, möchte ich eine professionelle Cover-Designerin mit einem Reihen-Cover beauftragen.
Das neue Cover war von vorne herein ein temporäres und sollte deswegen schnell gemacht sein. Idealer Weise sollte es mehr in die Richtung literarische Belletristik zielen. Also lud ich mein Cover bei ChatGPT hoch und befragte die KI.
Ich habe ein Buch-Cover und möchte es updaten und frischer gestalten. Das Design möchte ich weitgehend beibehalten. Wie könnte ich vorgehen?
»Frische« entsteht fast immer durch 3 Stellschrauben
• Typografie: neue, zeitgemäßere Schrift
• bessere Laufweite
• klarere Hierarchie (Titel vs. Autor vs. evtl. Subline)
Typischer Profi-Trick: »80/20 Redesign« → 80 % bleiben identisch 20 % werden modernisiert
• Schrift
• Abstände
• Farbnuancen
• kleine Reduktionen im Detail
Das hörte sich durchaus sinnvoll an. Ich fragte ChatGPT, wie sie das umsetzen würde.

Das Ergebnis brachte mich zum Lachen, denn es kam gar nicht in Betracht – und warf vor allem eine Frage auf, die ich direkt mal an die KI weitergab.
Wieso ist das jetzt besser?
Ehrlich gesagt: Das gezeigte KI-Ergebnis ist nicht eindeutig besser. Es ist nur anders. Wenn ich dein Original-Cover als Verlagsdesigner beurteilen würde, dann hat es einige Stärken, die die KI-Version sogar teilweise verloren hat:
• Der Hund als Silhouette erzeugt sofort einen Wiedererkennungseffekt.
• Das Auge schafft einen leicht skurrilen Ton, der gut zu Marvelous Misfits passt.
• Der Titel ist auf Amazon-Thumbnails hervorragend lesbar.
Was etwas amateurhaft wirkt:
• Die Schrift im Ohr wirkt wie ein Gimmick aus den 2010ern. Sie konkurriert mit dem eigentlichen Titel um Aufmerksamkeit.
• Die Typografie des Titels: Zwar ist die Schrift nicht schlecht, aber sehr generisch.
• Die Farben sind sehr laut und lassen eher an Humor, Jugendbuch oder Komödie denken als literarische Belletristik.
Autsch. Das tat weh. Dass ChatGPT mich gerade auf den Namen im Ohr aufmerksam machte! Diesen Aspekt hielt ich selbst für den schwächsten am Cover. Damals habe ich sehr viel Zeit verwendet, das mit Affinity hinzubekommen. Die Schrift ist etwas verzerrt. Dennoch fand ich es eine gelungene Lösung – zumal ich nicht wusste, wohin sonst mit meinem Namen. Denn »The Marvelous Misfits of Westminster« ist zwar ein toller Titel – aber aufgrund der Länge eine Herausforderung fürs Cover-Design.
Zum Nachdenken brachte mich auch die Einschätzung der KI, dass mein Cover veraltet wirkt und nicht mit literarischer Belletristik in Verbindung gebracht wird.
So geht’s weiter
- Midjourney – ein Schnellschuss in den Ofen
- Die Inspiration
- Zeichnen mit Procreate – Versuch 1
- Zeichnen mit Procreate – Versuch 2
- Ein glückliches Missverständnis
- Ein KI-Mockup nachbauen
- Der erste Entwurf
- Feedback von der KI
- Die finale Version
- Kosten für das neue Cover